Sonnenaufgang

Als Kinder, sogar als Kleinkinder sind wir ständig im „Zum ersten Mal“-Modus. Von Eltern lernten wir in guter Begleitung. In der so freien Anfangsphase lernten wir nicht, weil wir es mussten oder meinten es zu brauchen, sondern „einfach so“ aus Entwicklungsimpulsen heraus – fortwährend. Neugierig erobern wir uns die Welt – weil es das Natürlichste dieser Welt ist, für uns Menschenkinder. Wenn wir in Kindertagen etwas ängstlich wurden, konnten uns im besten Fall Eltern, Erwachsene oder auch andere Kinder ganz einfach helfen, vielleicht einen kleinen Mut machenden Schubs geben und schon ging es weiter… Alles schien möglich aus jeder einzelnen Situation heraus.

Viele interessante Studien belegen uns mittlerweile, wie genial sich Kinder die Welt erschließen, sich anpassen bzw. Widerstände offen zeigen und überwinden. Natürlich nehmen wir das auch ohne Studien wahr. Manchmal erinnern wir uns, dass wir diese Kinder waren.

Was ist passiert? Nichts Außergewöhnliches! Mit dem in Kindertagen abgeschürften Knie, was wir uns beim Fußballspielen geholt haben, konnten wir ziemlich gut umgehen. Die Erinnerungsspuren emotionaler Verletzungen allerdings scheinen manchmal auf einer anderen Speicherebene zu liegen. Diese wiederum sind ziemlich eng verbunden mit den Erfahrungen unserer Familienmitglieder und unserem gesellschaftlichen Lebensumfeld.

Der spielerische Optimismus, das Stauen und die Lebenslust, haben uns verlassen. Das nennen wir im Allgemeinen „Erwachsen werden“.

Liegt es vielleicht daran, dass wir nichts mehr zu lernen haben?
Nein, ich glaube eher nicht!

Könnte es sein, dass unser „innerer Impulsgeber“ eingeschlafen ist? Der, den wir doch so dringen benötigen, der wissen will, Fragen stellt, Gestaltungslust in uns weckt und uns vor Entscheidungen stellt.

Wir wissen längst, was wir auf keinen Fall mehr wollen. „Dies nicht“, „das muss ich mir nicht mehr antun“, „das lass ich mir nicht mehr gefallen“ usw. Wir wissen ganz genau, was wir nicht mehr wollen und „kleben“ regelrecht daran.

Das scheinbar Schlimme, was uns wiederfahren ist, wollen wir auf keinen Fall noch einmal erleben. Genau deshalb bleiben wir regelrecht gefangen, in Bildern und Geschichten der Vergangenheit, die uns mehr oder weniger zugesetzt haben. Unsere Haltung wird die der „Schadensbegrenzung“. Wir wollen uns schützen vor dem, was uns passieren könnte.

Das hat leider nichts mit Entwicklung zu tun. Wir halten Altes im Fokus und bekämpfen das eventuell Drohende bereits schon einmal vorsorglich. Wir rüsten auf, um gewappnet zu sein, wenn es dann kommt …

Schauen wir aber nach vorne in das NEUE, Unbekannte, nicht Berechenbare, erkennen wir ganz sicher, dass nicht alles machbar ist, aber plötzlich tauchen Anpassungsvariationen auf, die uns herausfordern wieder mehr visionär zu denken und Entscheidungen zu treffen.

Und eine Wahrheit ist: „Wir haben die Generalprobe bereits bestanden.“ Alles war irgendwie neu. Wir haben es geschafft, sind ohne Navi einfach los, haben es überlebt und unser Leben so gut es eben geht selbst gestaltet. Genau dafür brauchen wir nun weiterhin einen klaren Kopf und die Hände frei – das heißt: Wir dürfen uns von den Wiederholungsängsten verabschieden, die wir mit beiden Händen im Griff haben wollen und dabei nicht merken, dass diese Ängste uns im Griff haben. Vielleicht ist es euch auch schon einmal so gegangen: Wenn wir diese sich bietende Chance nicht nutzen, kommen unsere Ängste immer wieder durch die symbolische Hintertür.

Wenn wir die Tür nicht öffnen, weil wir gerade etwas Neues ausprobieren und wie anfängliche Visionäre neugierig und mit Begeisterung dabei sind etwas zu gestalten, was uns gefällt, dann hat in diesem Moment die Angst keinen Eintritt mehr.

Entdeckt doch mal wieder die Kraft der ersten Schritte!

Wann hast Du eigentlich das letzte Mal etwas das erste Mal gemacht?